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Drucken 17-05-2022 | Verschiedenes

Öl-Embargo ist ein Spiel mit dem Feuer

Kerken den 17. Mai 2022

 Kommentar von unserem Redakteur Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing zum geplanten Öl-Embargo 

Wirtschaftsminister Robert Habeck verbreitet Optimismus. Dabei gelingt ihm das scheinbare Kunststück die Gefahren, die er garnicht leugnet, die er aber auch nicht alle kennen kann, herunterzuspielen und mit Konjunktiven zu versehen. Das erleichtert es später sich aus der Verantwortung zu stehlen. Hätte, wenn und aber darf aber nicht die Basis für politische Entscheidungen sein, die Mittelstand, Rentner, ja geschätzt mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung in finanzielle Nöte bringen können.

Wenn ein Öl-Embargo nur dann erfolgreich durchgezogen werden kann, wenn zahlreiche Bedingungen erfüllt sind, dann darf dies aufgrund der ungeheuren Risiken nicht einmal Gegenstand öffentlicher Diskussionen sein. Denn schon die öffentliche Diskussion darüber treibt die Ölpreise nach oben und damit die Belastung für die Verbraucher.

Nur ein Beispiel, das allein schon Schweißtropfen auf die Stirn treibt: u.A. versieht Robert Habeck seinen Höllenritt mit dem Erfolg von Energie-Sparmaßnahmen der Verbraucher und der Unternehmen. In welchem Land lebt er denn? Wir in Deutschland jedenfalls haben die Bedeutung der Energiekosten schon lange erkannt. Das hat dazu geführt, dass das Einsparpotenzial weitgehend realisiert ist. Natürlich ist das nicht zu 100% ausgeschöpft, aber dennoch kein Anlaß dieser "Stellschraube" große Wirkung zuzusprechen. Und in diesem Zusammenhang erwähnte bautechnische Maßnahmen wirken sich (auch das gehört zu Deutschland) erst in Jahren aus.

Und noch etwas Entscheidendes: Interesse und Willensbekundungen neuer Öl-Lieferanten hat man schnell erhalten. Die Realisierung erst deckt die Probleme auf, an die Politiker üblicherweise garnicht denken, weil sie anders als Schachspieler:innen nicht in der Lage sind mehrere Varianten gedanklich durchzuspielen. Dazu müßte man zudem über Daten verfügen, die adhoc auswertbar nicht einmal vorliegen. Corona hat gezeigt, dass Deutschland dank eines aus der Zeit gefallenen Föderalismus in Sachen Digitalisierung eine Diaspora ist. Wie aber lassen sich Auswirkungen vorhersagen, wenn man keine aktuellen Daten hat? Garnicht!

Es ist davon auszugehen, dass die Politik ebengerade dabei ist nicht Putin, sondern uns selbst das "Licht auszuknipsen". Die Basis dieses von der EU-Kommission forcierten Embargos ist nichts als eine Black-Box. Mehr nicht als eine Hoffnung. Dazu kommt, dass dieses Embargo für Russland Anlaß sein könnte uns auch noch den Gashahn zuzudrehen.

Ja, es kann Alles noch viel schlimmer kommen.

Meint Ihr Rainer Willing