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Drucken 26-10-2025 | Theken-Themen

Gesundbeten hilft nicht.

Kerken, den 26.10.2025
Ein Kommentar unserer Redaktion zum Zeitgeschehen

Wer glaubt durch Sonderabschreibungen den Booster für die Konjunkturwende gefunden zu haben, hat das Thema verfehlt.

Steuerliche Anreize helfen nur dort, wo Gewinne erwirtschaftet werden.
Unsere Industrie verliert in größerem Umfang Umsätze in existenziell wichtigen Branchen.

Wer das begreifen will muss sich vor Augen führen, was in den letzten 25 Jahren passiert ist.

Absatzmärkte, die uns im Kalten Krieg verschlossen waren und deren Bedarf noch im Tiefschlaf dämmerte, sind plötzlich zum Leben erwacht. Diese "Geburt" ist in China mit dem Namen Deng Xiaopjng verbunden, ein kleiner gemütlich und freundlich dreinblickender Führer eines Milliardenvolkes. Er hatte den Mut den Bürgern seines Landes genau die Freiheiten einzuräumen, die sie zum eigenständigen Leben und Wirken als Unternehmer benötigten. Wie von der Leine gelassen schwärmten diese Menschen aus und schlugen dort auf, wo die Märkte weltbekannte Produkte mit einem hervorragenden Marken-Image boten. Da kam an erster Stelle Europa in Frage und hier in erster Priorität Deutschland. Sogleich setzte ein Run der deutschen Autobauer und technischen Ausrüster auf die besten Standorte in China ein. In den folgenden 20 Jahren profitierte die Deutsche Wirtschaft mit jährlich steigenden Umsätzen.

Schneller als vermutet wurde die chinesische Wirtschaft erwachsen und löste sukzessive importierte Güter durch kostenwirtschaftlich günstiger hergestellte eigene Güter ab. Und unsere Autobauer haben den Trend zu Elektroautos zu spät ernst genommen und treffen in China auf eine Nachfrage, die sie nicht bedienen können.

Gleichzeitig veränderten sich die strategisch-politischen Rahmenbedingungen insofern, als die USA unter dem Präsidenten Trump auf in die USA eingeführte Güter Zölle erhob.

Man kann sagen, dass den Schlüsselbranchen unserer Volkswirtschaft ein nie dagewesener Wind ins Gesicht bläst. Was unsere Regierung an dieser Stelle begreifen muss ist die Notwendigkeit außerordentlichen Problemen mit ebenso außerordentlichen Mitteln entgegenzutreten. Diese Mittel können keine nationalen Anstrengungen sein, vielmehr müssen sich Allianzen zusammenfinden, um den für Alle schädlichen Zollkrieg zu beenden. Denn ein Zollkrieg zielt darauf ab, anderen Staaten wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Deshalb hat ein Zollkrieg das Potenzial sich zu einem Krieg mit Waffen auszuweiten.

Es mag sein, dass meine Befürchtungen von vielen Mitbürgern nicht geteilt werden, zumal unsere Regierung derzeit Themen zur Diskussion vorgibt, die davon sehr weit entfernt sind, wie die Diskussion um Problemviertel in unseren Großstädten.

Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing