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Drucken 18-05-2022 | Markt & Trend | Konjunktur | Verschiedenes

Ein heisser "Zins-Sommer" kündigt sich in den USA an

Fed-Chef Powell wirkt ziemlich verunsichert, denn die Inflation ist in den USA ein kritisches Politikum. Politik und Konsumenten erwarten eine wirkame Gegensteuerung gegen die Inflation.

Das Problem: das klassische Instrumentarium der staatlichen Zinspolitik erscheint zur Bekämpfung der Inflation nicht mehr hilfreich.

Die Ursache: Die Gründe, die zur Preis-Inflation weltweit führen, sind auch keine klassischen, sondern neuartige Gründe: Lockdowns mit ungeplanten Eingriffen in die Prozess- und Lieferketten, kriegsbedingte Versorgungsausfälle (Unterbrechung der Weizen-Lieferungen aus der Ukraine z.B. ), Embargos etc.

In Summa geht es hier sowohl um Vermögensschäden, wie um Schäden der "Unordnung" = höhere Kosten auf allen Wertschöpfungsstufen. Die bis 3/2020 globalisierte Weltwirtschaft zeichnete sich insbesondere durch Effizienz-optimierte Produktions- und Logistik-Prozesse aus. Das war das Ergebnis latenter und viele Jahre andauernder Anstrengungen der Wirtschaftsunternehmen.

Die teilweise Zerstörung dieses ökonomisch-optimierten Zustands und nicht eine zinsbedingte Investitionsschwäche sind die Gründe für die Inflation.
Daraus folgt: Leitzinserhöhungen sind in dieser Lage nicht zielführend. Sie führen allenfalls zu Wechselkursveränderungen, die nur den USD in Vorteil bringt. Auf der anderen Seite verteuern sie staatliche Investitionen, die zur Modernisierung und Digitalisierung der Infrastrukturen erforderlich wären.

Insofern liegt die EZB mit ihrer defensiven und abwartenden Haltung durchaus richtig.

Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing