gastronomie.de - make life taste better

Drucken 12-12-2017 | Cash & Carry

Metro will halbe Million Gastwirte digitalisieren

Mit dieser Schlagzeile wartet dpa-AFX heute zur PK der Metro in München auf. Danach ist geplant, bis 2020 rund 500.000 Kunden mit der Monitoring-Software "Cockpit" auszustatten. Lesen Sie dazu auch den Kommentar und Kooperationsaufruf unseres Redakteurs Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing.

Diese Beobachtungs-Software "Cockpit" soll es den Kunden ermöglichen auf einen Blick zu erkennen, ob die Kosten gedeckt sind, welche Kellner wie hohe Umsätze getätigt haben und welche Speisen und Getränke sich zu welchen Uhrzeiten gut verkaufen. (Dass hier nicht nur der Kunde, sondern auch die Metro beobachten, wird natürlich nicht erwähnt)

Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing sieht diese Entwicklung kritisch:

"Die neue Realität im Wolkenkuckucksheim. Oder der Traum von der Digitalisierung - der Anderen."

Was will die Metro? Oder besser gefragt: was wollen die Lieferanten von ihren Kunden aus Gastronomie, Hotellerie und Catering?
Noch bevor sie in der Lage sind ihre eigenen Prozesse zu digitalisieren, wollen Sie ihre Kunden digitalisieren. Wie das gehen soll, darüber informierte heute die Metro.
Da ist die Rede von der Digitalisierung der Kunden mittels einer Monitoring (Beobachtung) - Software, die Einblick in die individuellen Betriebsdaten ihrer Kunden liefern soll. Für mich bestätigt sich damit eine schon lange gereifte Erkenntnis: die junge nachgewachsene Manager-Generation in Industrie und C&C-Großhandel hat zu wenig Ahnung vom Geschäft ihrer Kunden. Das gilt nicht für den Vertrieb technischer und erklärungsbedürftiger Produkte wie etwa im Maschinenbau. Wohl aber für Getränke und Lebensmittel. Wie sonst läßt sich erklären, dass Hersteller, wie die Radeberger Gruppe oder Lieferanten wie die Metro glauben oder glauben lassen wollen, dass sich ihre Kunden dahin schauen lassen, wo sie selbst gern im Dunkeln fischen. Nämlich in den Tiefen ihrer Kalkulation und persönlichen Betriebsdaten. An Naivität und Marktferne ist das heute kommunizierte Ansinnen der Metro schlicht nicht zu überbieten.
Eine halbe Millionen Gastronomen will man bis 2020 digitalisieren. Als wären diese Kunden willfähriges Instrumentarium einer über Alles herrschenden Ordnungsmacht. Und die Metro läßt schließlich alle Hüllen der fairen Partnerschaft und höflichen Distanz zu Kunden fallen, indem sie eine Monitoring-Software namens "Cockpit" im Einsatz ankündigt, die den Kunden aus Gastronomie, Hotellerie und Catering "Live-Einblicke" in ihre eigenen Betriebe ermöglicht. Und großzügig kündigt der Vorstandsvorsitzende an, dass die Basisversion dieses Programms kostenlos sein soll. Gedacht wohl als Honorierung dafür, dass die Kunden Einblicke in ihre internen Betriebsdaten gewähren. Der Hotelier oder Restaurantbetreiber, der auf diese Art der "Live Einblicke" in seinen Betrieb gewartet hat, der hilft der Metro aus ihrem Strategie-Defizit sicher nicht heraus.
Allerdings, und das macht das Ganze weniger dramatisch, lassen die von Metro selbst genannten Daten den Schluß zu, dass man sich nicht in der Realität, sondern mehr im Wolkenkuckucksheim befindet. Denn da ist die Rede von 500.000 Kunden, die die Monitoring-Software "Cockpit" in 2-3 Jahren nutzen sollen. Dabei hat der umkämpfte Kernmarkt Deutschland nur 250.000 Horeca-Unternehmen, Imbisse, Cafes und Eissalons mitgezählt. 

Übrigens: ein Erfahrungsaustausch vergleichbarer Betriebstypen und Betriebsgrößen halte ich für sehr sinnvoll. Allerdings nicht von Lieferanten organisiert, sondern anonym und von der eigenen Kooperation organisiert.
Und dazu lade ich Sie sehr herzlich ein unter dem Stichwort: "ersteON - die erste Online-Kooperation".

Als "alter Hase" und Kooperationsmanager beobachte ich die Entwicklung in den Branchen Gastronomie, Hotellerie und Tourismus jetzt schon viele Jahre, u.a. auch als Getränkefachgroßhändler. Vor diesem Hintergrund überrascht mich die aktuelle Entwicklung unter dem von einigen Herstellern selbst erkorenen jüngsten Digitalisierungs-Hype ganz und garnicht.

Deshalb: die Gründung einer Kooperation mit der Zielsetzung der Begleitung der Kooperationsmitglieder bei der unvermeidbaren Transformation in das digitale Zeitalter ist fällig. Aber: kooperationsintern und nicht extern.

Ich rufe alle Unternehmerinnen und Unternehmer in unseren Branchen auf, die Gründung der Kooperation "ersteON" persönlich zu initiieren. Das Geschäftsmodell steht.
Näheres erfahren Sie in der ersten Hälfte 2018 auf der Website ErsteON.de (in Arbeit).
Rainer Willing, Redakteur und Herausgeber gastronomie.de