Einer der bedeutendsten und schillerndsten Persönlichkeiten der Gastronomie, Hotellerie und des öffentlichen Lebens, Bundesverdienstkreuz-Träger Heinz Zellermayer, ist im Alter von 96 Jahren verstorben
Stäfa in der Schweiz, den 04. November 2011. Die Familie des verstorbenen Heinz Zellermayer gibt in tiefer Trauer bekannt, dass er in der Nacht zum Montag, den 31. Oktober 2011, im Spital Linth Uznach friedlich entschlafen ist.
Die Familie wird während einer Trauerfeier am 15. November 2011 um 11 Uhr im Hotel Adlon, Berlin von Heinz Zellermayer Abschied
nehmen. Er hinterlässt seine Frau Anne Zellermayer nach über 35 Jahren Ehe sowie drei Töchter und einen Sohn. Der DEHOGA plant zudem eine offizielle Trauerfeier in Berlin am 21. November 2011.
„Mr. Sperrstunde“ - sein Wirken
Über die Grenzen seiner Heimatstadt Berlin hinaus, erlangte Heinz Zellermayer insbesondere als „Mr. Sperrstunde“ Bekanntheit. Auf Betreiben Zellermayers wurde am 20. Juni 1949 die Sperrstunde im westlichen Teil der Stadt aufgehoben. Grundstein für die Entwicklung Berlins zu einer der interessantesten Metropolen Europas mit einem ungewöhnlichen Nachtleben und einer ganz eigenen Kultur.
Heinz Zellermayer war nicht nur Obermeister und Gründer der Gaststätten-Innung Berlin sowie Mitbegründer des DEHOGA (Deutscher Hotel und Gasstättenverband), er hob auch die Berliner Hotelfachschule aus der Taufe, war 20 Jahre lang Mitglied des Berliner Abgeordneten Hauses und dreifacher Bundesverdienstkreuz-Träger.
Er war unbestritten der Gastronomie- und Hotelkönig Berlins und dürfte vielen noch als schillernder Gesellschaftslöwe des Berliner Parketts in Erinnerung sein. Seine erfolgreiche Abwehr von Schutzgeldeintreibern brachte ihn den bewundernden Beinamen „le grand manitou“ ein. Sein letzter offizieller Auftritt war im Jahre 2008 anlässlich der Schließung des Berliner Flughafens Tempelhof.
Unermüdlich hat Zellermayer sich für seine Branche und geliebte Heimatstadt Berlin eingesetzt und sich politisch engagiert. Sein Leben war so außergewöhnlich, bunt, glamourös und vielfältig, dass die 1990 erschienene Autobiografie „Alles zu meiner Zeit“ zahlreiche Leser begeisterte.
Heinz Zellermayer war ein Mann, der nie aufgab, allen Schwierigkeiten im Nachkriegsdeutschland trotzte, eine beispiellose Karriere machte und bis ins hohe Alter seine zahlreichen Ehrenämter ausübte.
Der Mensch Heinz Zellermayer
Bekanntheit erlangte er insbesondere durch seinen mutigen, persönlichen Einsatz für die Aufhebung der polizeilichen Sperrstunde in Berlin. Es sagt viel über den Menschen Heinz Zellermayer aus, dass er sich nicht beirren ließ, als der französische und englische Stadtkommandant ihn mit seinem Gesuch „abblitzen“ ließen. Er blieb hartnäckig und suchte General Frank Howley auf, von dem er wusste, dass er gerne mal einen Whiskey trank. Nach dem zweiten gemeinsamen Glas und dank der Überzeugungskraft Zellermayers, setzte er schließlich die Aufhebung der Sperrstunde – zunächst probeweise – durch. Ein Erfolg, der Berlin und die Gastronomieszene nachhaltig prägte.
Die Berliner verehrten ihn und es gab kaum jemanden, der sein Auto nicht kannte: einen Bentley mit dem prägnanten Kennzeichen B-A 1. Viele werden ihn aber auch als unprätentiösen Mann in Erinnerung behalten: Jeden Morgen konnten seine Grunewalder Nachbarn beobachten, wie er im Bademantel bekleidet die Straße überquerte, um im Tennisclub Blau-Weiss seine morgendlichen Bahnen im Schwimmbad zu absolvieren.
So glamourös der Mansch Zellermayer auf viele wirken mochte – er konnte auch zupacken. Mit einem organisierten Kilo Fleisch und einer getauschten Dose Bohnen eröffnete er sein erstes Restaurant „Zellermayer´s“. Trotz der schwierigen Versorgungslage schaffte er es immer wieder, Lebensmittel für den Restaurantbetrieb aufzutreiben. Im ausgebombten Dach des „Hotel am Steinplatz“ brachte er z.B. die Ziege „Beate“ unter, die den Betrieb mit Milch versorgte. An Erfindungsreichtum mangelte es Heinz Zellermayer nie.
Vita
Bedeutende Auszeichnungen
• 1953 Bundesverdienstkreuz am Bande
• 1968 Verdienstkreuz Erster Klasse
• 1985 Großes Bundesverdienstkreuz
• 1990 Goldene Ehrennadel der DEHOGA Berlin
• 2011 Emil-Remde-Preis für sein Lebenswerk
Stationen und Tätigkeiten
• Geboren am 09.10.1915 in Berlin
• 1935 Matura in Berlin und anschließende Ausbildung zum Hotelfachmann
• 1937 – 1945 Besuch der renommierten Hotelfachschule Lausanne
• Anschließend enge Zusammenarbeit mit der Gastronomen-Legende Otto Horcher. Manager verschiedener Lokale, wie z.B. „Hocher“ (Berlin), „Maxime“ (Paris), Bagatelle (Paris), Deutscher Pavillon während der Weltausstellung in Paris etc.
• 1945 Eröffnung des ersten eigenen Restaurants „Zellermayer´s“ und Wiederaufbau des geerbten Hotels „Hotel am Steinplatz“
• 1945 Gründung der Gaststätten Innung Berlin und deren Leitung bis 1990
• 1949 Mitbegründer des DEHOGA
• 1951 Wahl zum Obermeister der Gaststätten-Innung, Berlin
• 1952 Eröffnung Schultheiss Bräuhaus, Kurfürstendamm
• 1957 Eröffnung Parkhotel Zellermayer, Berlin
• 1960 Eröffnung weiterer Gaststätten und Hotels, wie z.B. des Stutenhofs auf Sylt oder Autobahnraststätten. Zudem war Heinz Zellermayer Mitbetreiber des Restaurants Berliner Fernsehturm.
• 1964 Errichtung des Hauses des Gastgewerbes in der Knesebekstraße, Berlin
• 1958 – 1979 Mitglied des Berliner Abgeordneten Hauses
• 2008 Umzug in die Schweiz aus gesundheitlichen Gründen
• 1990 Ehrenobermeister der Hotel- und Gaststätten-Innung Berlin auf Lebenszeit
Weitere Ämter
• Vorsitzender des Wirtschafts- und Mittelstandsausschusses
• Mitglied des Großen Vorstandes der Industrie- und Handelskammer
• Vorsitzender des Kuratoriums der Staatlichen Hotelfachschule
• Vorsitzender der Innungskrankenkasse der Hotel- und Gaststätten Innung
Die Familie Zellermayer wird von ihrem geliebten Ehemann, Vater und Großvater am 15. November 2011 im Hotel Adlon, Berlin Abschied nehmen und ihm die gebührende letzte Ehre erweisen.
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