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Drucken 27-08-2021 | Verschiedenes | Fakten, Fakes und Meinungen | Tipps & Tricks

Gier. Die Psychologie des Geldes.

Geld regiert die Welt – daher ist es nicht verwunderlich, dass alle Welt danach strebt. Wer viel in Kreisen von reichen Menschen verkehrt, weiß jedoch: Millionäre wirken nie tatsächlich gelöst und glücklich, sondern immer etwas angespannt und rastlos. Und noch etwas fällt auf: Reiche wollen immer mehr. Ausnahmen bestätigen die Regel, jedoch lässt sich erkennen, dass Geld gierig macht und diese Gier nie zu enden scheint. Normalerweise ist ein Verlangen – sei es nun Hunger, Durst oder sexueller Natur – irgendwann gestillt. Nicht so bei dem Thema Geld.
Der Investmentprofi und Multiunternehmen Kemal Üres wurde erfolgreich, indem er sich in der Gastronomie selbstständig machte und mehrere Unternehmen gründete. Er kennt die Auswirkungen von finanziellem Erfolg, aber auch dessen Schattenseiten und kann daher Einblicke geben, die das Thema fundiert beleuchten. In den nachfolgenden Zeilen wagen wir gemeinsam mit ihm einen Blick hinter die Kulissen und gehen der Psychologie des Geldes auf den Grund.

Geld gleicht neuronal gesehen einer Droge

Wie bei allen Phänomenen ergibt es Sinn, die Auswirkungen auf biochemischer Ebene zu analysieren. Warum macht Geld gierig und bringt Menschen dazu, immer mehr zu wollen, statt sich mit dem zu begnügen, was ohnehin schon in Fülle vorhanden ist? Überraschung – Geld gleicht einer Droge, die im Gehirn das Belohnungssystem aktiviert und dieses wiederkehrend stimuliert. Forscher fanden bereits in den 50er Jahren heraus, wie dieses genau funktioniert. Es besteht aus einer Kombination von Arealen und Nervenverbindungen rund um den Botenstoff Dopamin, welcher als „Glückshormon" bekannt ist. Ähnlich wie bei Drogenkonsum wird das Belohnungssystem stimuliert und der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, wenn jemand viel Geld verdient, und man ist kurzfristig glücklich, weil in unserer Welt eben viele, tolle Dinge an Geld geknüpft sind. Das wohlige Gefühl hält jedoch nur kurz an, sodass man gezwungen ist, sich wieder in die ähnliche Lage zu bringen oder die gleiche Situation wieder herbei zu führen, damit erneut ausgeschüttet werden kann.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Auch das eigene Ansehen in der Gesellschaft steigt, wenn man zu Geld kommt. Wer möchte schon nicht beliebt und geschätzt sein? Berühmte Persönlichkeiten oder einflussreiche Millionäre beispielsweise werden am Flughafen bevorzugt behandelt, bekommen schneller wichtige Arzttermine oder müssen in Restaurants ihre Rechnungen nicht selbst zahlen, weil sie aufgrund ihres Status als Ehre für das Haus eingeladen werden. Natürlich macht auch diese Art von Sonderbehandlung süchtig, denn es ist überaus angenehm, im täglichen Leben einen Ruf zu genießen und dadurch von diversen Dingen profitieren zu können.

Allmachtsgefühl

Mit Geld kann man sich nahezu alles kaufen, sodass kein Wunsch zu klein erscheint. Je nachdem, in welchem Einkommenslevel man sich bewegt, steigt auch die Mobilität. Ein eigener Fuhrpark, Chauffeurservice oder gar ein Privatflugzeug sind Dinge, die dafür sorgen, dass ein gewisses „Allmachtsgefühl" entsteht, welches von Größenwahn nicht mehr weit entfernt ist. Reiche Menschen erliegen gerne dem Glauben, dass die Welt ihnen gehöre – schließlich können sie sowohl in ihren Unternehmen als auch außerhalb des Business-Umfelds Fäden in alle Richtungen ziehen. Es scheint keine Hindernisse und Einschränkungen mehr zu geben. Das ist auch der Grund, weshalb eine Krebsdiagnose einen Millionär wesentlich härter trifft, als einen durchschnittlich verdienenden Menschen. Der Millionär sieht sich mit einer schier unlösbaren Aufgabe konfrontiert, weil er sich die Lösung mit Geld nicht erkaufen kann, sondern auf die Kraft seines Körpers vertrauen muss, um die Krankheit zu überwinden und ihm das Gefühl von Urvertrauen schon lange abhandengekommen ist. Auf einmal ist er wieder gleichgestellt mit anderen Menschen.

Angst und Sorge

Wer viel Geld besitzt, weiß, dass er etwas hat, was ihm andere Menschen nehmen könnten. Daher lebt er ständig in Angst und Sorge. Der eigenen Familie könnte etwas passieren, das Firmengebäude Opfer von Einbruch werden und das Bankensystem morgen zusammenbrechen. So entsteht eine Rastlosigkeit, die den Blick für die schönen Dinge und Dankbarkeit blockiert. Es folgen Notwendigkeiten, die vorher nicht da waren. So müssen beispielsweise Sicherheitsdienste beauftragt werden, die sich um den Schutz persönlicher und materieller Werte kümmern. Ein Lebensgefühl, welches Gelassenheit und Sorglosigkeit mit sich bringt, sieht anders aus.

Das Glück der einfachen Dinge

Die Gier nach Geld verhindert zudem auch, dass reiche Menschen das Glück der einfachen Dinge erfahren und schätzen bzw. lieben lernen. Wird jemand, der eigene Köche beschäftigt, jemals die Freude selbst gebackener Plätzchen erfahren, oder dankbar sein über sein warmes Bett, wenn er/sie von einer Rucksack-Zelt-Tour zurückkommt? Wohl kaum. Oder sich über die Tatsache freuen, dass die Reservierung im Lieblingsrestaurant geklappt hat, in den man unbedingt den Partner zum Jahrestag einladen wollte? Gier verhindert Glück, weil die einfachen Dinge als selbstverständlich wahr genommen werden und permanent der Drang existiert, das Gewohnte und Normale übertreffen zu müssen, um noch Freude daraus ziehen zu können.

Fazit

Viel Geld zu besitzen bedeutet, Macht, Einfluss und absoluten Wohlstand zu genießen. Doch der Genuss bleibt oft auf der Strecke, weil Geld gierig macht und in uns auslöst, dass wir immer mehr davon wollen. Es stellt sich ein Lebensgefühl ein, welches, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, nicht Glück und Sorglosigkeit mit sich bringt, sondern mit Rastlosigkeit, Getriebenheit und Verlangen einhergeht. Kemal Üres ist sich sicher: Die Gier nach mehr lässt sich unterbinden, indem man sich in Dankbarkeit übt und die Fähigkeit, die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen, nie verliert.

Autor: Kemal Üres