gastronomie.de - make life taste better

Drucken 07-04-2021 | Verschiedenes

Das Öffentlich-Rechtliche Ärgernis

Ein Kommentar zur Zukunft von ARD und ZDF:
Die Intendanten der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten sind dabei, sich überflüssig zu machen.
Wie heißt es so treffend: "Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit." Und das gilt nicht erst seit Gorbi, sondern auch noch nach Gorbi.Was ich soeben in SPIEGEL ONLINE gelesen habe versetzt mich doch in ungläubiges Staunen. Zur Diskussion um eine Fusion von ARD und ZDF wiegelt der Intendant von ZDF Thomas Bellut das Thema so grundsätzlich ab, dass ich angesichts der seit vielen Jahren virulenten Diskussion um die Rundfunkbeiträge nur noch ärgerliches Unverständnis empfinde. Und zwar Unverständnis über die angeführten Argumente. Der Intendant sieht in einer Vereinigung von ZDF und ARD "keinen markt- oder betriebswirtschaftlichen Sinn".

Mit solch einer Einstellung bittet eine Führungskraft üblicherweise um seine Entlassung. Das weitere schräge Argument lautet: Das ZDF habe einen nationalen Auftrag, die ARD sei eine Arbeitsgemeinschaft aus wichtigen regionalen Sendern mit einem alle zwei Jahre wechselnden Vorsitz.
Dazu kann man nur sagen: die Beitragszahler interessiert nicht wer den Vorsitz hat, sondern wie das Preis-Leistungsverhältnis aussieht.

Bei aller Freude über das eine oder andere Format und bei aller Begeisterung für den Deutschlandfunk, ist das Preis-Leistungsverhältnis insgesamt einfach nur schlecht und es wird mit jedem Tag schlechter. Bei schmaler Rente können bei 210 EUR Jahresbeitrag für die Öffentlich-Rechtlichen viele Bürger:innen schon überfordert sein und ein Championsleague-Spiel muss man bei den Privatrechtlichen zusätzlich bezahlen. 

Noch so ein merkwürdiges Argument des Herrn Bellut:"ich bin ein klarer Befürworter eines Qualitätswettbewerbs der Hauptprogramme von ZDF und ARD. Meinungsvielfalt müsse erhalten bleiben und nicht ohne Not beschränkt werden". Wieso setzt der Intendant eine Fusion mit einem Angriff auf die Meinungsvielfalt gleich. Eine Fusion muss auch keine Einschränkung des Qualitätswettbewerbs bedeuten. Herr Bellut entlarvt sich und seine Einstellung mit solchen Totschlagargumenten einfach nur selbst als unwillig, seinem Auftrag im Sinne der Bürger:innen gerecht zu werden. Ich bin ein Zeitzeuge des Fernsehens in Deutschland nach WK2 und vermag in der Tatsache, dass ich zusätzlich zum Rundfunkbeitrag weitere Beiträge an private Anbieter zahlen muss, wenn ich interessante Sportsendungen sehen will, keinen Qualitätsgewinn bei ARD und ZDF zu erkennen.
Gemessen an der Tatsache, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen auch an regelmäßig steigenden Beitragseinnahmen (2003 bis 2021 von 4,167 Mrd EUR auf 5.578 Mrd EUR) erfreuen dürfen, muss man die jüngsten Forderungen nach Erhöhung der Beiträge nicht unbedingt verstehen, zumal die Werbeeinnahmen noch dazu kommen.

Eine schon lange fällige Struktur-Reform der Öffentlich-Rechtlichen hat zumindest die Chance auf eine Verbesserung des Preis-Leistungsverhältnisses.

Beispiel: Man löse die Strukturen von ARD und ZDF auf. Dann prüfe man die einzelnen Bestandteile, ob sie für beide Anstalten Dienste erbringen können oder nicht. Alle Aufgaben und Funktionen, die für beide Anstalten erbracht werden können, werden in einer eigenen Dienstleistungs-Unit zusammengefaßt.

Alle Aufgaben und Funktionen, die zur individuellen Produktion der Inhalte/Formate von ARD und ZDF benötigt werden, verbleiben auch bei ZDF und ARD getrennt, sodass sich 3 Organisationen ergeben:

A) Dienstleistung (Technik, Logistik, Immobilien-Management, Catering)

B) ZDF;

C) ARD

Das betriebswirtschaftlich Interessante ist, dass sich bei der Dienstleistungs-Unit sofort signifikante Synergien ergeben und diese Unit ihre Dienstleistungen auch am Freien Markt anbieten kann. ARD und ZDF nehmen die Dienstleistungs-Unit nach Bedarf und per Auftrag in Anspruch. Daraus resultieren bei ZDF und ARD günstigere Herstellungskosten für die Produktion der Formate.

Und der wichtige Wettbewerb zwischen ZDF und ARD? Ganz einfach. Die Einschaltquoten entscheiden über die Verteilung der Beitragseinnahmen.

Das paßt doch - meint Ihr Redakteur Dipl.-Betrw. Rainer Willing