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Drucken 14-08-2022 | Staat und Gesellschaft

Schnipsel-Jagd

Mögen Sie Schnipsel?
Ich meine tatsächlich nicht Schnitzel, sondern Schnipsel.

Die ABO-Bettelei der ehemaligen Printgewaltigen, die sich Online nur mit Schnipseln zu helfen wissen, ist extrem nervig.
Sie ist auch ein Armutszeugnis und genau genommen wettbewerbsrechtlich unzulässig. Denn statt versprochener Informationen bekommt man ein Abo-Formular vorgelegt. Vor 20 Jahren hätte man dieses Vorgehen noch abgemahnt, wenn man etwas verspricht und nicht liefert. Also eine Leseprobe per Post ins Haus versendet und nach der Überschrift eine Abo-Bestellung zur Unterschrift vorlegt. Ärmlicher geht es kaum. Die Spitze der Lächerlichkeit der Großen der Printverlage ist die klamm heimliche Liäson mit Goggle, die gewaltige Suchmaschine,die man eigentlich bekämpfen wollte: Google dürfe keine auf seinen Suchergebnisseiten vollständige Artikel ausspielen. Jetzt spielt Google Schnipsel aus und führt den/die Suchende/n zur Abo-Bestellung. Aus Sicht der Informationssuchenden ist das schlicht eine Frechheit und wettbewerbsrechtlich höchst bedenklich. Denn das, was das Internet liefern soll, wird hier in das Gegenteil verkehrt: statt Informationen zu liefern, wird das pekuniäre Interesse der Verlage bedient.
Niemand wird das berechtigte Interesse der Verlage verneinen, die die Arbeit ihrer Redakteure honoriert haben wollen. Keine Frage, aber das muss auch anders gehen. Offenbar ist das Bemühen der Verlage um fairen Interessenausglich zu mühsam. Der Gesetzgeber wird es richten müssen oder 99% der Internet-User sollen nach der Pfeiffe weniger Absahner tanzen? Dieses Geschäftsmodell haben die Bürger:innen aber langsam satt.

Meint Ihr
Rainer Willing,
Redakteur gastronomie.de