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Drucken 19-07-2019 | Kulinarik

Die ersten TV-Starköche ebneten den Weg für eine neue Industrie

Photo by Jason Briscoe on Unsplash


Starköche stehen nicht nur in der Küche ihres Luxusrestaurants, um die ausgefallensten Gerichte zu kreieren. Die meisten von ihnen betätigen sich auch als Fernsehkoch und erklären uns in ihren TV-Kochshows, was gerade angesagt ist und vor allen Dingen, wie man diese kulinarischen Genüsse überhaupt herstellen sollte. Sie mutieren zu Vorbildern, die uns eine exquisite Kochkunst vorführen.

Köche der höheren Kochkunst bringen das Essen auf eine konzeptionelle Ebene. Aber sie verstehen es immer, das Kochen auch als Kunst anzusehen. Wir sitzen staunend vor dem Bildschirm und bewundern die Leichtigkeit, wie mit Töpfen, Schüsseln, Nahrungsmitteln und Kräutern und anderen Utensilien umgegangen wird. Kann aber nun die Nahrungsaufnahme, die uns alle miteinander verbindet, Kunst sein? Oder kann sich gar die Kunst im Essen ausdrücken? In Zeiten des übermäßigen Essens eine interessante Frage. Doch selbst unter den TV-Köchen kommt immer mehr die Frage auf: Brauchen wir die fast tägliche Flut von TV-Kochshows?

Koch TV-Shows verfeinern unsere Sinne

Was wird uns geboten? Starköche, die uns zeigen, wie man in der Küche kreativ Speisen zubereiten sollte. Damit wir uns besser fühlen und nicht wieder ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn wir gleich nach dem Einkaufen im Auto mal wieder die Chicken Bites oder die Currywurst verschlingen, weil wir keine Zeit hatten, ordentlich zu Mittag zu essen. Es geht über das reine Verschlingen hinaus und hat was mit ästhetischer Anmut zu tun. Kochen ist Kunst und Kochen braucht Zeit.

Heutzutage scheint es, als hätte jeder Koch seine eigene Fernsehsendung. Vom kleinsten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bis hin zu riesigen Sendern, die sich mit Lebensmitteln befassen, machen Fernsehköche einen übermäßig großen Teil der Unterhaltung aus. Dies ist kein neueres Phänomen. Lange vor dem amerikanischen Starkoch Emeril Lagasse und sogar vor der absoluten Kochpersönlichkeit Julia Child lernten die Leute von ihren Fernsehgeräten aus, wie man kocht. Immerhin haben im Jahre 2018 auch in Deutschland rund 6,73 Millionen Zuschauer TV-Kochshows angesehen.

Die ersten Starköche in England

Der erste britische TV-Koch war Philip Harben, einem autodidaktischen Koch, dessen Hauptküchenerfahrung darin bestand, ein Restaurant in einer Art Wohn-Club für junge Berufstätige in London zu führen. Immerhin war die bekannte Schriftstellerin Agatha Christie eine der Kunden von Harben. Während des Zweiten Weltkriegs kochte Harben für die Royal Air Force. 1946 wurde seine erste Kochshow ausgestrahlt. Das Programm mit dem Titel „Kochen“ dauerte nur 10 Minuten. Das allererste Gericht, das im Fernsehen gekocht wurde, war Lobster vol-au-vents. Sein Programm wurde jahrelang ausgestrahlt und er war zweifellos Großbritanniens berühmtester Koch für die nächsten 10 Jahre. Da in dieser Zeit die Lebensmittelrationierung ein Problem war, wurde es für Harben oft schwierig, seine Rezepte umzusetzen. Oft investierte er seine eigenen Rationen, um die Show aufrecht zu erhalten.

Fanny Cradock, eine absolut glamouröse Köchin, erschien auf den BBC-Sets. Als seltene Persönlichkeit erregte sie sofort Aufsehen und veranstaltete nebenher aufwendige Dinnerpartys. In den Nachkriegsjahren legte Cradock großen Wert darauf, die britische Hausfrau mit eher exotischen Kochideen zu inspirieren. 1950 begann sie, eine Koch-Kolumne mit dem Titel „Bon Viveur“ in The Daily Telegraph zu schreiben. Ab 1955 hatte sie ihre eigene Show „Chez Bon Viveur“.

Auch in Amerika wird öffentlich gekocht

In den Vereinigten Staaten hinterließ ein anderer Feinschmecker seine Spuren im Fernsehen. James Beard ist heute als Kochbuchautor, Genießer und für den jährlichen Kochpreis bekannt, der seinen Namen trägt. Er war aber auch der allererste amerikanische Koch, der im Fernsehen kochte. 1946 wurde Beard erstmals in „I Love to Eat“ ausgestrahlt. Seine Live-Show, die nur 15 Minuten dauerte, wurde vor dem Boxen von Madison Square Garden übertragen. Beard hat zwischen 1930 und 1970 die amerikanische Kochkunst und Esskultur maßgeblich beeinflussten.

Autorin: Claudia Meyer