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Drucken 10-03-2020 | Getränke-Informationen

Hessische Staatsweingüter sichern Bewirtschaftung von ökologisch wertvollen Weinbergen in Steillagen

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer: „Umgestaltung steil gelegener Weinberge in Querterrassen hat Vorbildcharakter, ist ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz und bietet Vorteile für den Weinbau." Bagger im Weinberg: Diesen Anblick gibt es heute in Assmannshausen am Höllenberg zu sehen und in den kommenden Wochen in weiteren Weinbergen im Rheingau sowie an der Hessischen Bergstraße. „Die Hessischen Staatsweingüter starten gemeinsam mit der Hochschule Geisenheim, BioQuiS: Förderung der Biodiversität durch Querterrassierung im Steillagenweinbau'. Dabei handelt es sich um ein Projekt mit Vorbildcharakter – durch die Umgestaltung steil gelegener Weinberge in Querterrassen sowie das Anlegen von blühenden Böschungen wird die Artenvielfalt gestärkt und ein Beitrag zum Gewässerschutz durch die Vermeidung von Erosion geleistet", erklärte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Hessischen Staatsweingüter ist, heute in Wiesbaden.

Bislang gebe es in den Weinbaugebieten des Rheingaus und Mittelrheintals nur einzelne querterrassierte Weinberge, erläuterte Schäfer. „Dabei bietet diese Form der Bewirtschaftung nicht nur ein großes Potential für den Schutz von Fauna und Flora – durch die hangparallele Anordnung der Reben können diese auch besser und sicherer bearbeitet werden. Neben der Querterrassierung wird auch eine Anpflanzung blühender Böschungsstreifen in den ausgewählten Steillagen erfolgen. Unsere Staatsweingüter gehen mit gutem Beispiel voran und ermöglichen damit den Erhalt der ökologisch wertvollen Steillagenweinberge. Die Ergebnisse des Projekts werden auch über die Staatsweingüter hinaus hilfreiche Erkenntnisse für alle hessischen Winzerinnen und Winzer liefern", sagte der Minister.

Vor Ort in Assmannshausen stellten der Geschäftsführer der Hessischen Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach, Dieter Greiner, sowie Professorin Dr. Ilona Leyer und Professor Dr. Manfred Stoll von der Hochschule Geisenheim das gemeinsame Projekt zum nachhaltigen Weinbau vor:
„Mit rund 90 Hektar Steillage, davon 30 im UNESCO Welterbe Mittelrheintal, ist das Weingut Kloster Eberbach das größte deutsche Steillagenweingut und trägt eine große Verantwortung, die jahrhundertealte Kulturlandschaft zu bewirtschaften und zu schützen. Zusammen mit der Hochschule Geisenheim und geschätzten Kollegen des Weinguts Laquai in Lorch sowie des Weinguts Ratzenberger in Bacharach ist es für uns von besonderer Bedeutung, die Steillagen in Rüdesheim und Assmannshausen mit dem Projekt BioQuiS auf die neuen klimatischen und sozio-ökonomischen Herausforderungen auszurichten", erklärte Geschäftsführer Greiner. Steillagenweinberge böten eine äußerst wertvolle Biodiversität. Gleichzeitig sei die Rentabilität des Steillagenweinbaus in Zeiten des Klimawandels gefährdet, so Greiner weiter. „Es gilt, Wege zu finden, Ökologie und Ökonomie zu verbinden, um die Steillagen erhalten zu können. In Verantwortung für Mensch und Umwelt entstehen so genussvolle Botschafter der einzigartigen Weinkultur von Kloster Eberbach", fügte er hinzu.

„Neben der arbeitssparenden Bewirtschaftung haben Querterrassen-Weinberge einen großen ökologischen Vorteil. Ein Teil des Weinbergs besteht aus Böschungen, die der direkten Bewirtschaftung entzogen sind und ein großes Potenzial für den Naturschutz haben", so Professorin Dr. Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie der Hochschule Geisenheim. „Fachgerecht begrünt mit Saatgut regionaler Wildpflanzen fördern Terrassenweinberge die Artenvielfalt, denn sie sind wichtige Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber. Gleichzeitig tragen sie zum Erosionsschutz bei", erklärte die Professorin.

Professor Dr. Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau der Hochschule Geisenheim hat noch einen anderen Aspekt im Fokus: „Die geänderte Zeilenorientierung und die in Querterrassen-Weinbergen geringere Rebdichte beeinflussen das Mikroklima und die Wasserversorgung des Rebbestandes. Dies kann Auswirkungen auf den Ertrag, die Aroma- und Inhaltsstoffbildung und die Rebengesundheit haben. Diese Wechselwirkungen zwischen Rebe und ihrer Umwelt wollen wir vergleichend für Falllinien- und Querterrassen-Weinberge untersuchen."

Finanzminister Dr. Schäfer dankte den Verantwortlichen der Staatsweingüter sowie den Forscherinnen und Forschern der Hochschule Geisenheim, die das Projekt wissenschaftlich begleiten: „Sie leisten mit diesem Projekt echte Pionierarbeit und ich bin gespannt darauf, wie wir auch vonseiten der Staatsweingüter mit einem besonders naturnahen Weinanbau zur Bewahrung unserer heimischen Kulturlandschaft mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt beitragen können."
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