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Drucken 15-08-2021 | Fakten, Fakes und Meinungen

Welche Lehren ziehen wir aus dem kläglichen Scheitern in Afghanistan?

Das Ende des westlichen Engagements in Afghanistan wird als  Systemversagen in die Geschichtsbücher eingehen. Nachdem schon die ehemalige Sowjetunion in der "Befriedung" Afghanistans kläglich gescheitert war, hat die NATO nun bewiesen, dass auch westliche Werte nicht in der Lage sind, eine fundamentalistische Gesellschaft aus sich heraus zu Demokratie und einer offenen Gesellschaft zu entwickeln.
Wer hat versagt? Das politische System des Westens. Genauer gesagt: Die Leichtsinnigkeit, voreilig politisches Handeln und Verhandeln durch militärisches Handeln zu ersetzen. Dass dieser Fehler mit Recht als Systemversagen gelten muss zeigt auch die Tatsache, dass der gleiche Fehler mit der us-britischen Invasion in den Irak begangen wurde. Dessen Auswirkungen hat zu länderübergreifenden Verwerfungen mit riesigen Flüchtlingswellen geführt. Von dem vielen tausendfachen Leid der betroffenen Menschen ganz zu schweigen. 

Warum wir unsere Demokratie am Hindukusch so schlecht verteidigt haben, wie ein höchst oberflächlicher Spruch eines deutschen Politikers vor 20 Jahren wissen wollte, liegt in den gleichen Fehlern begründet, die zum Militärschlag gegen die Taliban führten: wir ignorieren die Geschichte und die Empfindungen der Menschen, denen wir unsere Werte "überstülpen" wollen. Das kann nur dann gelingen, wenn wir die Menschen in diesem Prozess "mitnehmen". Will heissen: die Menschen müssen die Entwicklung zu einer demokratischen und offenen Gesellschaft qua eigener Überzeugung wollen. Das Versagen unserer Aussenpolitik liegt darin, dass wir uns dieser mühevollen Prozedur, aus welchen dummen Gründen auch immer, nicht unterzogen haben.

Um es mit Seneca zu sagen: per aspera ad astra

meint Ihr Redakteur Rainer Willing