gastronomie.de - make life taste better

Drucken 29-04-2019 | Bio-Lieferanten

Bio-Gastro-Messe bringt Gastronomie und Bioproduzenten zusammen

Bioregionale Lebensmittel liegen im Trend. Das gilt auch für die Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Doch häufig finden die Küchen nicht die für sie geeigneten regionalen Biolieferanten. Woran liegt das? Kann eine regionale Messe dazu beitragen, diese Hürden zu überwinden? Dorle Gothe, Vorstand der Regionalwert AG Rheinland und Gründungsmitglied der Initiative Bonner Ernährungsrat, nennt die Knackpunkte und Erfolgsfaktoren aus den Erfahrungen der Bio-Gastro-Messe in Bonn.

Oekolandbau.de: Viele Köchinnen und Köche sowie ihre Tischgäste wünschen sich mehr bioregionale Produkte auf dem Teller. Doch in der Praxis finden die relevanten Akteure häufig nicht zusammen. Woran liegt das nach ihren Erfahrungen?

Dorle Gothe: Das liegt zunächst einmal daran, dass sie sich gar nicht kennen. Denn es gibt keine Räume mehr, wo die regionalen Bioproduzenten und Gastronomen automatisch zusammen kommen. Und wer hat schon die Zeit, um selbst aufwändig zu suchen, wo man welche Lebensmittel direkt beim Produzenten oder über den Fachhandel beziehen kann? Zudem ist natürlich der Preis ein Thema, weil sich im direkten Vertrieb höhere Gewinnmargen erzielen lassen als bei der Vermarktung in Richtung Außer-Haus-Verpflegung. Da müssen beide Seiten erst einmal ins Gespräch kommen und herausfinden, wo die gemeinsamen Interessen liegen.

Oekolandbau.de: Das klingt nach einer Herkulesaufgabe...

Dorle Gothe: ... ist es auch, in der Tat. Denn für regionale Wertschöpfungsketten zwischen Gastronomie und regionalen Biolieferanten muss man erst einmal Netzwerke aufbauen. Das kostet Zeit,  Energie  und eine systematische Vorgehensweise.

Oekolandbau.de: Auf was kommt es dabei an?

Dorle Gothe: Zu Beginn muss man die relevanten Akteure identifizieren und vor Ort gezielt zusammen bringen. Entscheidend ist dabei der persönliche Kontakt. Bei der Bio-Gastro-Messe stellen wir die teilnehmenden Erzeuger, Verarbeiter und Händler in kurzen Interviews vor, so dass interessierte Gastronomen sich schnell ein Bild machen können: Wer liefert was in welchen Mengen? Dann gehen die Fachbesucherinnen und -besucher gezielt zu den Ständen, die sie interessieren, und führen dort Gespräche. Das ist alles sehr kompakt und intensiv. Aber dieses "Speed Dating" ist sicher ein wichtiger Grund dafür, warum das Konzept bei allen Beteiligten so gut ankommt.

Oekolandbau.de: Entstehen aus diesen Kontakten auch konkrete Kooperationen?

Dorle Gothe: Auf jeden Fall. Wir befragen nach der Messe die Produzenten und Gastronomen nach ihren Erfahrungen. So hat der Gastronom Michael Klevenhaus bei der ersten Messe ein Bio-Kölsch kennengelernt, das er jetzt in seinen Bistros in Bonner Museen und der Volkshochschule ausschenkt. Biometzger Jörg Müller hat Kontakt zu einer Kantine der öffentlichen Verwaltung bekommen. Erste Lieferungen haben aber gezeigt, dass die Liefertour für die Läden nicht zu den Anforderungen der Küche passt. Da muss jetzt noch eine Lösung gefunden werden. Und auch unter den Lieferanten haben sich neue Beziehungen ergeben. So hat der Ulmenhof, ein Aussteller mit eigener Käserei, jetzt auch Fleischwaren vom Biohof Kapplermühle in seinen Hofladen aufgenommen.

Bei der jährlichen Bio-Gastro-Messe im Base Camp in Bonn können sich regionale Bio-Erzeugerinnen und -Erzeuger untereinander vernetzen und Kontakte zu Gastronominnen und Gastronomen herstellen.

Oekolandbau.de: Wären für solche Kontakte nicht auch regionale Online-Plattformen sinnvoll?

Dorle Gothe: Am Anfang braucht es den persönlichen Kontakt, ohne den geht es nicht. Bei der Messe lernen interessierte Gastronomen nicht nur konkrete Produkte kennen sondern immer auch die Menschen, die dahinter stehen. Der persönliche Kontakt zu Erzeugern, Organisatoren oder einer Gruppe Menschen, denen das Thema wichtig ist, bringt die notwendige Motivation, sich mehr mit dem Biothema zu befassen. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, machen auch digitale Medien Sinn. Denn mit digitaler Technik allein entstehen keine Wertschöpfungsketten. Es braucht immer lebendige Netzwerkarbeit, sonst funktioniert das nicht.

Oekolandbau.de: Wäre das Konzept der Bonner Bio-Gastro-Messe auch auf andere Orte übertragbar?

Dorle Gothe: Grundsätzlich ja! Aber das kommt nur in Gang, wenn engagierte Leute zusammenfinden, die entsprechende Kontakte und Netzwerke mitbringen. Für unsere Messe konnten wir die Kontakte der Dehoga, aus dem Arbeitskreis Gemeinschaftsverpflegung (in der Initiative Bonner Ernährungsrat, Ergänzung Redaktion) und eines regionalen Einrichters für Großküchen nutzen. Auch Slow Food kannte interessante kleinerer Cafés und Gastronomen, die wir angesprochen haben. Für die Produzentenseite hatten wir mit dem Partnernetzwerk der Regionalwert AG schon eine gute Grundlage.

Oekolandbau.de: Also am Ende nur eine Frage des Aufwands und der  Energie , die man in so ein Projekt investiert?

Dorle Gothe: Nein, nicht ganz. Die Initiatoren so einer Veranstaltung müssen am Anfang die Situation vor Ort gut kennen und prüfen, ob in den Zielgruppen ein ernsthaftes Anfangsinteresse besteht und sich der Aufwand für die Aussteller überhaupt lohnt. Ohne die Partner der Gastronomie, die einen persönlichen Bezug zu den Betriebsleitern und Köchen mitbringen, würde das nicht so gut funktionieren. Wenn das Interesse da ist und genügend Aussteller und Gäste kommen würden, braucht es eine attraktive Location und eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Hier in Bonn haben wir den Beschluss zu einem Bioanteil in der Kita-Verpflegung zum Anlass genommen, die Erzeuger und Köche zusammenzubringen. Das hat das Interesse sehr gesteigert. Wenn relevante Personen aus den jeweiligen Kommunen hinter so einer Idee stehen und sich dafür einsetzen, kann viel für Artenschutz, Bodenfruchtbarkeit, Tierwohl und regionale Wertschöpfung erreicht werden. Und am Ende hat die Stadt ja auch etwas davon.

Bio-Gastro-Messe in Bonn
Im Bonner BaseCamp fand 2019 zum zweiten Mal die regionale Bio-Messe für Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung statt. 18 Aussteller aus der Biobranche präsentierten den rund 60 Personen der Außer-Haus-Verpflegung ihre Produkte. Organisator der Messe ist der Arbeitskreis "Bio in Bonn" in der Ernährungsratsinitiative. Die Regionalwert AG Rheinland, Slow Food Bonn und das Projekt Sustainable Bonn unterstützen die Veranstaltung logistisch, personell und mit ihren Kontakten.
---------

Oekolandbau.de, Newsletter vom 26.4.2019