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Drucken 04-11-2018 | Berufe, Aus- und Weiterbildung | Digitalisierung

DEHOGA in der Kritik - NGG beklagt ungenügende Tarifbindung im ostdeutschen Gaststättengewerbe

Die Kritik an den Arbeitgebern in der ostdeutschen Gastronomie und insbesondere an der Praxis des DEHOGA, Mitgliedschaften ohne Tarifbindung (OT) zu akzeptieren, erregt die Gemüter.

Im "Nordkurier.de" wird der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Guido Zeitler, vor dem Beginn des NGG-Gewerkschaftstages (5. bis 9. November) in Leipzig gar mit den Worten zitiert: "In dieser Branche will man sich nicht gerne an Regeln halten".

Starker Tobak, wie ich finde. Von solchen Unterstellungen sind dann auch Vorwürfe von Schwarzbeschäftigung oder Steuerhinterziehung nicht weit.

Eine Gewerkschaft, die sich auf diese Weise aus dem Fenster lehnt, qualifiziert sich nicht wirklich zu einem ernstzunehmenden Verhandlungspartner. Wie wäre es denn mit dem politischen Versuch, kleine personalintensive Dienstleistungsbetriebe von den sich immer weiter ausufernden Reglementierungen der Gesetzgeber, öffentlicher Verwaltungen und Regelungsvorschriften zu entlasten.

Versachlichung und Verständnis wären also eher hilfreich. Vielleicht öffnen sich dann auch die erkenntnis-stimulierenden Gehirnströme für die Ausbildungsberufe, die den heutigen und zukünftigen Anforderungen an eine veränderte (digitalisierte) Berufs- und Wirtschaftswelt entsprechen. Zur Zeit und je nach Branche, bilden wir nicht mehr für die Zukunft, sondern für die Vergangenheit aus. Nicht ersetzen und darüber lange diskutieren, sondern schnell anpassen und weiterentwickeln ist das Gebot der Stunde. Der Restaurantfachmann als Fachkraft wird nicht mehr benötigt, wohl aber ein Gastro- bzw Hotel-Org-Manager, der die gesamten Online- und Off-Line-Abläufe um Food und Beverage für Inhouse und Outhouse-Gäste im Griff hat. Ob es gelingt die Ausbildungsinhalte und Ausbildungstechniken zeitig genug anzupassen ist eine politische und im Vollzug administrative Frage. Wer die Selbstbeschäftigung in der Bundespolitik der letzten Jahre erlebt hat, wird keine großen Hoffnungen hegen. Zur Zeit bilden wir für Berufe aus, die es nicht mehr gibt, deren Schwerpunkte sich verändern müßten oder für die zusätzliche und neue Ausbildungsgebiete integriert werden müßten.

Die Tarifpartner sind gut beraten, sich um zeitnahe Problemlösungen zu bemühen. Anderenfalls kann es gut sein, dass Handel und Wirtschaft ihre eigenen Vorstellungen einer dualen branchen- oder gar unternehmensbezogenen Ausbildung umsetzen. (Kommentar Red. gastronomie.de, Rainer Willing)