gastronomie.de - make life taste better

Drucken 07-05-2013 | Getränke-Informationen

Bertelsmann dreht das größte Finanz-Rad unter den "Buchmachern" (Ein Kommentar von Rainer Willing).

Vom Buchclub zum Mediengigant und nun zum Finanzjongleur? Wer oder was ist Bertelsmann? 16 Mrd EUR Umsatz mit 100.000 Beschäftigten, sagt was?
Noch schwieriger: welchen Weg geht Bertelsmann? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wenn man sich bei der uns heute vorliegenden Pressemeldung der arvato infoscore GmbH verwundert die Augen reibt: "Sichere Zentralregulierung für die Getränke-Branche" steht da schwarz auf weiss. Siehe dazu auch unsere Veröffentlichung vom 3. April und 7. Mai 2013 unter der Rubrik "Getränke-Informationen"

Will Bertelsmann jetzt in den Niederungen der Getränkebranche die Scherben einsammeln, die ein unfähiger Aufsichtsrat und Vorstand der Getränkering eG zerdeppert hat? Der Konkurs der "Butzbacher Buben" zum Schaden vieler Getränkefachgroßhändler, die im täglichen Kampf um den Kunden jeden Cent umdrehen müssen, mutet allein schon wie ein irrealer Albtraum an. Und in dieses klamme Geschäft will sich jetzt auch noch ein großer Medien-Player zwängen?

Das im Jahr 1835 in Gütersloh gegründete Unternehmen Bertelsmann kann auf eine konstant erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Auch die kurze und eher verwirrende Ära Thomas Middelhoff (1998 bis 2002) konnte der starken Position des Konzerns im weltweiten Mediengeschäft nichts anhaben. Man hat "digital" dazu gelernt, konsolidiert und wie kaum einem anderen Unternehmen mit Ursprungswurzeln in der gedruckten Kommunikation ist es Bertelsmann gelungen, sich für das digitale Zeitalter aussichtsreich zu positionieren. Der Geschäftsbereich dieser "Stoßrichtung" - wie Bertelsmann in seinem noch fast druckfrischem Geschäftsbericht 2012 vom 26. März 2013 in militärischem Jargon seine 4 strategischen Geschäftsbereiche tituliert, heißt ARVATO.

Die ARVATO AG bezeichnet sich als Business-Process-Outsourcing-Dienstleister und stellt 2012 nach der RTL-Group bereits den zweitgrößten Geschäftsbereich nach Umsatz und den größten Geschäftsbereich nach Mitarbeitern dar. Unter dem Begriff "Outsourcing" ist nicht weniger beabsichtigt, als von der Rechnungstellung bis zur Zahlungseingangsverbuchung alle hiemit direkt wie indirekt (Bonitätsprüfung der Kunden z.B.) zusammenhängenden Geschäftsvorgänge von Unternehmen und Organisationen der Öffentlichen Hand zu übernehmen.

Ein Medienkonzern als Finanzdienstleister? Alles ist möglich, auch der Auf- und Ausbau einer Sparte, die sich einmal mit Gewinn an der Börse versilbern läßt und sich auf diese Weise für das Kerngeschäft nützlich machen kann. So gesehen macht eine Finanzdienstleistung, die sich durch den boomenden eCommerce in einem expansiven Umfeld und das grenzüberschreitend bewegt, auch für einen Medienkonzern Sinn.
In diese strategische Ausrichtung paßt dann auch eine Getränkebranche, die sich durch den Ausfall eines ihrer Regulierer eine unerwartete und bis dato unaufgeklärte Blöße gegeben hat.
Wenn nach dieser blamablen Pleite, die bei kaufmännisch korrektem Geschäftsgang eigentlich garnicht möglich sein kann, jetzt auch noch der Medienkonzern Bertelsmann, bzw dessen Tochter ARVATO AG, bzw. deren Tochter die arvato infoscore GmbH, bzw deren Tochter die BFS finance GmbH quasi kostenlosen Eintritt in die Getränkebranche erhält, wäre die Blamage einer ganzen Branche erst richtig perfekt. Denn immerhin gibt es branchen-interne Alternativen. Und hier ist nicht der LEH gemeint, mit dem vor einigen Jahren zu flirten der eigentliche Beginn des Abgangs der Getränkering eG lag. (Redaktion gastronomie.de)